- Es gibt keinen definierten Zeitpunkt zum Handeln.
- Keine Frist. Kein externer Druck.
- Ohne Auslöser wird Handeln immer wieder verschoben.
Durch die Digitalisierung wächst die Anzahl möglicher Nachlasspositionen kontinuierlich. Neue Online-Dienste,
Kundenkonten, Shopping-Plattformen, Mitgliedschaften und digitale Zugänge werden automatisch Teil des Nachlasses.
Die Anzahl der Positionen allein sagt jedoch weder etwas über deren Bedeutung für den Nachlass noch über die
Komplexität ihrer späteren Abwicklung aus. Im Gegenteil: Ein ungenutztes Kundenkonto oder ein vergessenes Nutzerprofil
haben oftmals keinerlei Auswirkungen.
Bei klassischen Vermögenswerten und Verpflichtungen ist das häufig anders. Immobilien, Versicherungen, Bankkonten oder
Darlehen sind meist deutlich komplexer. Um sie zu verstehen und abzuwickeln, werden wesentlich mehr Zeit und
Informationen benötigt. Gleichzeitig können Fehler oder Versäumnisse hier erhebliche Auswirkungen auf den Nachlass
haben.
Für die effektive Nachlass-Komplexität ist daher nicht allein die Anzahl der Nachlasspositionen entscheidend, sondern
vor allem deren Bedeutung, Abwicklungsaufwand und potenzieller Einfluss auf den Nachlass.
Digital hat das Erben grundsätzlich verändert
Ein durchschnittlicher Nachlass besteht aus 250+ Puzzlestücken.
Ein Nachlass besteht heute nicht mehr aus wenigen klaren Besitztümern, sondern aus einer Vielzahl von Vermögenswerten, Verpflichtungen und persönlichen Inhalten.
Durch digitale Dienste, Mitgliedschaften und Abonnements kommen laufend neue Nachlasspositionen hinzu. Gleichzeitig steigt der Aufwand, auf einzelne Positionen zugreifen zu können. Besonders klassische Bereiche haben durch die Digitalisierung deutlich an Komplexität gewonnen: Ein einfaches Sparbuch wird durch Onlinebanking mit Zugangsdaten, Telefon-PIN, Zwei-Faktor-Authentifizierung und Gerätebindung ersetzt.
In Summe werden immer mehr Zugangselemente benötigt, um Zugriff auf immer mehr Nachlassposition zu erhalten.
Hinweis zu Methodik und Quellen
Es mag überraschend klingen, aber bislang gab es keine belastbare Antwort auf die Frage, aus wie vielen Bestandteilen ein Nachlass tatsächlich besteht.
Mit dieser Analyse haben wir erstmals eine integrierte Gesamtsicht auf die tatsächliche Struktur eines Nachlasses entwickelt und die Komplexität persönlicher Vermögensstrukturen systematisch quantifiziert.
Für klassische Vermögenswerte und Verbindlichkeiten existieren belastbare statistische Grundlagen. Die digitale Welt hingegen ist so fragmentiert, dass eine reine Aggregation nicht ausreicht. Daher haben wir einen anderen Ansatz gewählt und die einzige gemeinsame Eigenschaft aller Bestandteile genutzt: den Zugang über Zugangsdaten.
Internationale Studien zu Passwortnutzung liefern eine belastbare Größenordnung für die Gesamtzahl digitaler Zugriffspunkte. Diese dient als Ausgangsbasis. Innerhalb dieser Gesamtmenge haben wir die strukturell relevanten Bestandteile identifiziert, kategorisiert und einzeln bewertet.
Für jeden Typ wurden dabei zwei Dimensionen erfasst:
- die durchschnittliche Anzahl pro Person
-
sowie eine qualitative Bewertung entlang von vier Dimensionen:
- Zugriff (z. B. Zugangsdaten, Zwei-Faktor-Authentifizierung, Gerätebindung)
- Information (z. B. Verständnis, Vertragslogik, steuerliche Relevanz)
- Prozess (z. B. Kündigung, Übertragung, beteiligte Parteien)
- Transparenz (z. B. Bekanntheit und Auffindbarkeit)
Eine zentrale Erkenntnis der Analyse ist, dass ein einzelner Vermögenswert in der Regel nicht durch einen einzelnen Zugriffspunkt repräsentiert wird.
Vielmehr sind mehrere Zugangsinformationen und Abhängigkeiten erforderlich, um Zugriff zu erhalten.
So entstehen aus über 100 einzelnen Werten schnell mehr als 250 notwendige Bestandteile, die zusammengeführt werden müssen, um ein vollständiges Bild des Nachlasses zu erhalten.
Warum wir nicht handeln…
Die meisten Menschen strukturieren ihren Nachlass nicht rechtzeitig – nicht aus einer informierten und bewussten Entscheidung heraus, sondern aufgrund einer Kombination von Hürden auf zwei Ebenen:
Ebene 1: Warum viele gar nicht anfangen
- Der Tod bleibt abstrakt und weit weg.
- Selbst klare Lebensereignisse — ein Todesfall in der Familie, überstandene Krankheit, Heirat, die Geburt eines Kindes — werden selten als Anlass zum Handeln wahrgenommen.
- Besonders für jüngere und gesunde Menschen fehlt persönliche Dringlichkeit.
- Vermögen wird unterschätzt.
- Digitale Vermögenswerte gelten oft nicht als Teil des Nachlasses.
- Verpflichtungen werden übersehen.
- Regeln und Folgen sind nicht durchschaut.
- Was auf dem Spiel steht, bleibt unklar; Konsequenzen werden unterschätzt.
- Wert geht verloren — oft ohne dass es jemand bemerkt.
Ebene 2: Warum viele nicht durchhalten
- Rechtliche, finanzielle und persönliche Faktoren greifen tief ineinander.
- Änderungen in den Lebensumständen — etwa der Verlust eines Hauptbegünstigten — können das beabsichtigte Ergebnis grundlegend verändern.
- Was geradlinig erscheint, wird schnell komplex.
- Vermögen liegt verstreut über Konten, Plattformen und Orte.
- Es gibt keine einheitliche Quelle der Wahrheit.
- Was existiert, ist unvollständig, fragmentiert oder in Vergessenheit geraten.
- Informationen müssen gesammelt, strukturiert und dokumentiert werden.
- Der Aufwand ist sofort spürbar, der Nutzen wirkt in der Ferne.
- Ohne klares Verständnis der Tragweite rechtfertigt sich der Aufwand selten.
- Vermögen, Beziehungen und Lebensumstände ändern sich laufend.
- Ein einmaliger, papierbasierter Ansatz kann nicht Schritt halten.
- Zugangsdaten und Eigentumsstrukturen können sich jederzeit ändern — was heute stimmt, gilt morgen vielleicht nicht mehr.
- Sensible Informationen brauchen sichere Aufbewahrung.
- Zugang muss kontrollierbar und dennoch bei Bedarf möglich sein.
- Es gibt keinen klaren, vertrauenswürdigen Ort für beides.
Wer hier stoppt, verlagert eine Lebenszeit Entscheidungen auf die Erben — mit weniger Information, mehr Druck und weitaus weniger Zeit, es richtig zu machen, während sie zugleich mit dem Verlust und allem, was damit einhergeht, umgehen müssen.
Digitalisierung als Multiplikator
Während früher vor allem Eigentum zählte, ist Zugang heute ebenso entscheidend. Anders als Eigentum ist Zugang von Natur aus dynamisch: Was heute noch erreichbar ist, ist es morgen gegebenenfalls nicht mehr.
Diese Verschiebung verändert das Problem selbst: Hürden, die zuvor getrennt bestanden, verschmelzen und verstärken einander — und werden zu einer strukturellen Herausforderung, die sich nicht mehr durch bloßen Aufwand oder Ausdauer lösen lässt.
Der größte Vorteil der Digitalisierung liegt darin, dass Informationen einfach kopiert, verknüpft und gezielt weitergegeben werden können. Dadurch lässt sich nicht nur festlegen, welche Informationen verfügbar sind, sondern auch wer darauf zugreifen darf und zu welchem Zeitpunkt.
Was in Papierform oft aufwendig oder kaum umsetzbar ist, wird digital deutlich einfacher.
Gleichzeitig hilft die Digitalisierung dabei, mit komplexen Informationen umzugehen. Daten können strukturiert, zusammengeführt und verständlich aufbereitet werden. Die Realität wird dadurch nicht einfacher – aber sie lässt sich deutlich leichter überblicken und verwalten.
Kontrollverlust
Warum das kritisch ist:
Verantwortung wird sofort übertragen…
… Transparenz nicht.
Wer seine Daten aktiv verwaltet, hinterlässt seinen Nachfahren nicht nur einzelne Puzzleteile, sondern ein vollständiges und verständliches Gesamtbild – und erspart ihnen damit eine Vielzahl an Problemen.
Aktuelle Entwicklungen und Zusammenhänge
Das Thema Nachlass ist nicht statisch.
Rechtliche Rahmenbedingungen, typische Fehler und strukturelle Zusammenhänge entwickeln sich kontinuierlich weiter – und sind in ihrer Gesamtheit schwer zu überblicken.
Wir fassen relevante Entwicklungen zusammen, stellen Zusammenhänge dar und ergänzen diese um konkrete Orientierungshilfen.